Christian-Geissler-Gesellschaft e.V.

Jahresgabe 2022 – Verlorener Rede Traumausgang mitten ins schwarze

es geht nicht um die wahrheit.
es geht auch nicht um die lüge.
ich arbeite an einer erfahrung.
ich schlage beratung vor.
ich bitte euch um geduld.

Mit dieser Vorbemerkung eröffnet Christian Geissler seine Rede, mit der 2005 in Berlin die Rosa-Luxemburg-Konferenz eröffnet hat. Es war eine düstere Rede, die wir in der Jahresgabe 2022 noch einmal zugänglich machen – zusammen mit einem ausführlichen Nachwort des Hamburger Literaturwissenschaftlers Andreas Stuhlmann. Aber sie passt in eine Zeit, in der Wahrheiten und Perspektiven der Linken ein knappes Gut sind. Die Junge Welt hatte sie in der Berichterstattung über die Konferenz dokumentiert, das Jahrbuch der Kunsthochschule für Medien Köln, LAB, hat sie noch einmal gedruckt. Es ist in gewisser Weise auch eine – eher resignative Bilanz.

10. Rosa-Luxemburg-Konferenz der Tageszeitung „junge Welt“ in Berlin Hier: Der Hamburger Schriftsteller Christian Geissler. 8.1.2005, Berlin Copyright: Christian Ditsch.de

der mut zu begreifen.
der mut begreifen zu wollen
was denn was denn
pfeifen wir handzahmen spatzen uns gern
aus dem dachfilz der tauben?

ich pfiff einst gern blutrot.
als ob. als ob.
was aber jetzt?

«Und so bleibt für den Redner im Jahr 2005 an Ende ‹die liebe / von hand zu hand / im waggon unterwegs / an die wand.›», resümiert Andreas Stuhlmann seine Lektüre des in Form eines Langgedichts gefassten Textes: «Ob Geissler hier andeutet, dass die Kraft der Liebe doch unsere Hände zu befreien vermag, die dann Hand in Hand mit anderen als ‚Glieder einer freien Welt› zusammenarbeitend und so zum politischen Handeln kommen, weil sie wieder ‹ein lebendiges Ganzes wahrnehmen› (Redecker), ist ungewiss. Doch ändert die Liebe, deren Kraft Ingeborg Bachmann viel emphatischer beschwört, am Ende nichts daran, dass wir unterwegs sind ‹an die wand›.

Die Broschüre im Format 13,5 x 19,7 hat 48 Seiten. Neben der Rede Christian Geisslers und dem Nachwort von Andreas Stuhlmann enthält sie drei Fotos von Christian Disch, die Geissler während seiner Rede im Januar 2005 zeigen.

Interessent:innen können die Broschüre  gerne bei der Christian-Geissler-Gesellschaft bestellen. Eine Mail an info@christian-geissler-gesellschaft.de mit der Postadresse genügt. Im Gegenzug bitten wir um eine Spende, um die Herstellung und den Versand finanzieren zu können: Kto IBAN DE15 5206 0410 0006 4449 97.

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